24. Februar 2023 / Aus aller Welt

Ballons über Deutschland: Wetterdaten oder Spionage?

Kürzlich haben die USA aus Angst vor Spionage vier Ballons abgeschossen. Auch über Deutschland fliegen mehr Ballons als man denkt. Viele von ihnen sammeln Wetterdaten.

Ein Wetterballon mit einer Radiosonde vom Deutschen Wetterdienst (DWD).
Veröffentlicht am 24. Februar 2023 um 16:47 Uhr von dpa

Nach Schätzungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) steigen jährlich rund 15.000 unbemannte Ballons über Deutschland in die Luft. Etwa die Hälfte von ihnen seien Wetterballons des Deutschen Wetterdienstes (DWD), teilte der DWD auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Dabei sei der Begriff Wetterballon eigentlich falsch, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Denn der mit Helium gefüllte Ballon sei nur dafür da, um eine Radiosonde in die Stratosphäre zu transportieren. Das mit einem Seil befestigte Messgerät, das etwa so groß und schwer wie ein Smartphone sei, funke Messwerte wie Lufttemperatur und -feuchtigkeit an eine Wetterstation am Boden.

Etwa 20 Wetterballons am Tag

Zweimal täglich, um 10.45 und 22.45 Uhr, stiegen die Ballons mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Kilometern pro Stunde in die Höhe. Am Boden seien die dehnbaren Ballons drei bis fünf Meter hoch, am höchsten Punkt bis zu 40 Meter. Nach etwa anderthalb Stunden, in einer Höhe von rund 30 Kilometern, platze der dünne Latex-Ballon. Ein Fallschirm entfalte sich und die Sonde fliege in ebenfalls etwa anderthalb Stunden zu Boden. Auch die Latex-Fetzen landen auf der Erde. Einer von rund 20 täglichen Flügen kostet nach Angaben des DWD rund 250 Euro.

Die Sonde werde dann nicht mehr gebraucht und bleibe dort liegen, wo sie landet. Je nach Stärke der Windgeschwindigkeit bei Auf- oder Abstieg könne sie vom Startort bis zum Landepunkt eine Strecke von bis zu 300 Kilometern zurücklegen. Häufig sammelten Luftfahrt-Fans und Geocacher die Sonden ein, um sie mit nach Hause zu nehmen, sagte Friedrich.

Ballons von Kindergeburtstagen

Der DFS ist nach eigenen Angaben von den Wetter- und Forschungsballons wenig bekannt. Sie flögen deutlich höher als Flugzeuge und bräuchten somit keine Freigabe. Ein großer Teil der Ballons im deutschen Luftraum seien bestimmte Kinderballons, etwa von Geburtstagsfeiern.

Doch sind wirklich alle Ballons harmlos? Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr setzt nach eigenen Angaben Ballons ein, um Wetterdaten zu sammeln oder die Flugbahn ballistischer Geschosse zu berechnen. Ballons zu militärischen Zwecken gebe es nicht, sagte ein Sprecher. Nach Kenntnis der Bundeswehr befänden sich auch keine fremden militärischen Ballons, zum Beispiel Spionageballons, über Deutschland.

Die Bundeswehr könne einen Ballon, sollte er eine militärische Bedrohung darstellen, nach rechtlicher Freigabe abschießen, sagte der Sprecher. Ob ein Ballon eine militärische Bedrohung darstellt, entscheide die Nato.


Bildnachweis: © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Kita Bauxhof in Erkelenz übergeben
News aus Erkelenz

In Erkelenz wurden in der vergangenen Woche die ersten beiden Gruppen im Neubau der Kita Bauxhof übernommen.

weiterlesen...
Zeugensuche nach Verkehrsunfall zwischen Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer
Polizeimeldungen

Wegberg-Harbeck (ots) - Am Dienstagnachmittag (6. Oktober) war ein 15-Jähriger gegen 17

weiterlesen...
Granterather Brunnenfigur „Kind mit der Katze“ ist zurück
News aus Erkelenz

Nach rund einem Jahr steht die von Ursula Klügel geschaffene Brunnenfigur wieder in Granterath.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Kleinbus rammt Zug am Kanaltunnel - 19 Verletzte
Aus aller Welt

Ein Kleinbus mit Lkw-Fahrern an Bord prallt am Kanaltunnel in Calais auf einen Güterzug. 19 Menschen werden verletzt, mehrere davon schwer. Das hat auch Folgen für den Bahnverkehr.

weiterlesen...
Interpol: 95 Festnahmen bei Einsatz gegen Kindesmissbrauch
Aus aller Welt

Über Chatgruppen verbreiten Täter Missbrauchsdarstellungen, teils mit Hunderten Nutzern. Bei Ermittlungen in Lateinamerika und Europa stießen die Behörden auf erschütternde Fälle.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Kleinbus rammt Zug am Kanaltunnel - 19 Verletzte
Aus aller Welt

Ein Kleinbus mit Lkw-Fahrern an Bord prallt am Kanaltunnel in Calais auf einen Güterzug. 19 Menschen werden verletzt, mehrere davon schwer. Das hat auch Folgen für den Bahnverkehr.

weiterlesen...
Interpol: 95 Festnahmen bei Einsatz gegen Kindesmissbrauch
Aus aller Welt

Über Chatgruppen verbreiten Täter Missbrauchsdarstellungen, teils mit Hunderten Nutzern. Bei Ermittlungen in Lateinamerika und Europa stießen die Behörden auf erschütternde Fälle.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner