6. Februar 2024 / Aus aller Welt

Bericht: Jedes Jahr werden mehr als 100.000 Delfine getötet

Die Jagd auf Delfine hat in den letzten Jahren weiter zugenommen, sagen Tierschützer. Die Tötung der Tiere treibt einige Populationen bereits an den Rand der Ausrottung.

Die Ausbeutung von Delfinen und Kleinwalen hat in den letzten Jahren weiter zugenommen.
Veröffentlicht am 6. Februar 2024 um 07:40 Uhr von dpa

Mehr als 100.000 Delfine, Schweinswale und Kleinwale werden nach Schätzungen von Tierschützern weltweit pro Jahr getötet.

Zu vermuten seien noch weitaus höhere Zahlen, die Dimension lasse sich aber nicht genau abschätzen, teilte Sandra Altherr, Biologin und wissenschaftliche Leiterin bei der Tierschutzorganisation Pro Wildlife, mit. «Es ist eine Blackbox.» Pro Wildlife hat gemeinsam mit der Whale and Dolphin Conservation (WDC) eine neue Analyse zum Delfinfang ausgearbeitet.

Ausbeutung von Delfinen und Kleinwalen nimmt zu

Der Bericht «Small Cetaceans - Even Bigger Problems» wertet 250 Studien und andere Quellen aus. Demnach hat sich die Situation für Delfine und kleine Wale in den letzten Jahren nochmals verschlimmert. Die Jagd auf die Tiere treibe einige Populationen an den Rand des Aussterbens, teilten die Tierschutzorganisationen mit. Die Ausbeutung von Delfinen und Kleinwalen habe in den letzten Jahren weiter zugenommen.

Zerstückelte Delfine als Köder

Dafür nennt der Bericht verschiedene Gründe: Zum einen ersetzen Delfine in bestimmten ärmeren Regionen fehlenden Fisch als Mahlzeit. Zum anderen werden Delfine vor allem in kommerziellen Fischereien vermehrt als Fischköder verwendet. Die zerstückelten Kadaver sollen Haie und Welse anlocken, wie es hieß. Früher seien dafür vor allem Delfine verwendet worden, die als Beifang in Fischernetzen gefangen wurden.

«Doch für diese Praxis hat sich in den letzten Jahren zunehmend eine gezielte Bejagung entwickelt», teilte Nicola Hodgins, Delfinexpertin der WDC, mit. In einigen Gebieten übersteige der Marktwert von Delfinen als Köder sogar ihren Wert als Nahrung. In Peru werden den Angaben zufolge so jährlich etwa 15.000 Delfine und kleine Wale getötet, in Ghana fast 10.000.

Ein weiterer Grund für die zunehmende Tötung von Delfinen ist die Überfischung der Weltmeere: Fischer töten die Tiere, um angebliche «Konkurrenten» um die schwindenden Fischbestände auszuschalten. «Angesichts des überfischten Zustands der Meere befürchten wir, dass das Töten von Delfinen sogar noch zunehmen wird», teilte Altherr mit.

Situation der Flussdelfine

Die Situation der Flussdelfine im Amazonasgebiet ist dem Bericht zufolge besonders ernst. «Jedes Jahr werden Tausende dieser vom Aussterben bedrohten Tiere unbemerkt abgeschlachtet, um als Köder für die Piratenfischerei zu dienen», sagte Altherr. Zudem werde das Öl der Tiere, die auch als Botos bekannt sind, seit Kurzem zur Behandlung von Coronainfektionen verwendet. «Wir laufen Gefahr, den Boto in den nächsten Jahrzehnten ganz zu verlieren», so Altherr.

Auf der Liste der Länder mit den meisten getöteten Delfinen und Kleinwalen stehen neben Peru und Ghana unter anderem Nigeria, Brasilien, Venezuela, Grönland und Taiwan, hieß es weiter. In Regionen wie Indonesien, den Philippinen und den Tristao-Inseln (Guinea) seien Jagd und Verzehr von Delfinen eine eher neuere Praxis.

Die Tierschützer fordern dringend eine weltweite Regulierung der Jagd auf Delfine und Kleinwale. Küstenstaaten werden dazu aufgefordert, ihre nationalen Rechtsvorschriften zu verschärfen und besser durchzusetzen. Zudem müssten internationale Abkommen und Programme dringend Maßnahmen ergreifen, um die illegale Jagd zu beenden und die genehmigte Jagd zu regulieren.


Bildnachweis: © Owen Humphreys/PA Wire/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

ELECTRISIZE 2026: Das Foto-Voting ist gestartet – jetzt für euren Favoriten abstimmen!
Aus dem Erkelenzer Land

Das ELECTRISIZE 2026 liegt hinter uns – doch die besonderen Momente des Festivals bleiben!

weiterlesen...
Burgkirmes in Erkelenz: Vom 11. bis 14. September
News aus Erkelenz

Erleben Sie über 70 Attraktionen auf der Burgkirmes Erkelenz. Besonderheiten: Feuerwerk am 11. September und Familientag am 14. September.

weiterlesen...
Größter Waldbrand in NRW – Evakuierung in der Eifel
Aus aller Welt

Flammen, Rauch und Weltkriegsmunition: Eine Feuerwalze im Hürtgenwald rückt an die Eifel-Gemeinde Gey heran. Der wohl größte Waldbrand in NRW fordert Feuerwehr und Anwohner bis an ihre Grenzen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Indonesische Fähre mit rund 240 Menschen an Bord in Seenot
Aus aller Welt

Fähren sind im Inselstaat Indonesien ein wichtiges Transportmittel. Zwischen Java und Kalimantan gerät eine von ihnen in Seenot. Dutzende Passagiere werden durch andere Schiffe gerettet.

weiterlesen...
Goldener Löwe für eine unbequeme Frauenrolle
Aus aller Welt

May el-Toukhy gewinnt den Goldenen Löwen, Lee Chang-dong den Großen Preis der Jury. Das Filmfest Venedig setzt bei der Preisverleihung politische Zeichen – nicht immer mit einfachen Botschaften.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Indonesische Fähre mit rund 240 Menschen an Bord in Seenot
Aus aller Welt

Fähren sind im Inselstaat Indonesien ein wichtiges Transportmittel. Zwischen Java und Kalimantan gerät eine von ihnen in Seenot. Dutzende Passagiere werden durch andere Schiffe gerettet.

weiterlesen...
Goldener Löwe für eine unbequeme Frauenrolle
Aus aller Welt

May el-Toukhy gewinnt den Goldenen Löwen, Lee Chang-dong den Großen Preis der Jury. Das Filmfest Venedig setzt bei der Preisverleihung politische Zeichen – nicht immer mit einfachen Botschaften.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner