Im Verfahren um zigfache Vergewaltigung in Südfrankreich hat Missbrauchsopfer Gisèle Pelicot die Aussagen etlicher Angeklagter scharf kritisiert. «Das ist der Prozess der Feigheit», sagte Pelicot in ihrer letzten Aussage vor Beginn der Plädoyers. Sie habe Dinge gehört, die inakzeptabel seien, die man nicht zu hören ertrage. Pelicot verwies auf Angeklagte, die angaben, wie fremdgesteuert gewesen zu sein oder selbst womöglich unter Drogen gesetzt worden zu sein. In dem Mammutverfahren stehen 51 Männer vor Gericht. Der Hauptangeklagte, Pelicots damaliger Ehemann, soll seine Frau fast zehn Jahre lang mit Medikamenten betäubt und missbraucht haben. Auch habe er sie von fremden Männern vergewaltigen lassen, während sie bewusstlos war. Den Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft. Gisèle Pelicot selbst geht davon aus, etwa 200 Mal vergewaltigt worden zu sein. «Es ist für mich sehr schwierig, wenn gesagt wird, dass es praktisch eine Banalität ist, Madame Pelicot vergewaltigt zu haben», sagte Gisèle Pelicot vor Gericht. Sie frage sich, wann die Angeklagten entschieden hätten, das Vorgehen nicht anzuzeigen. Die Gesellschaft sei patriarchal und müsse dies erkennen. «Wir banalisieren Vergewaltigungen», kritisierte die Anfang-Siebzigjährige. Am Nachmittag ergriff auch der Ex-Mann von Pelicot ein letztes Mal das Wort. Der Hauptangeklagte sagte, es sei seine Fantasie gewesen, sich eine bewusstlose Frau unterzuordnen. Er habe aus purem Egoismus gehandelt. Die anderen Angeklagten hätten freiwillig bei seinem Vorgehen mitgemacht. «Wenn man dieses Spiel spielt, muss man anerkennen, was man getan hat.» Gleichwohl sagte er, ohne ihn wären die anderen Angeklagten nicht in dem Gerichtssaal. In dem Prozess, der seit September läuft, beginnen am Mittwoch die Plädoyers der Nebenklage um Gisèle Pelicot. In der kommenden Woche soll die Anklage dann ihre Forderungen vorbringen. Das Urteil in dem Verfahren ist für Mitte Dezember vorgesehen.«Wir banalisieren Vergewaltigungen.»
Bildnachweis: © Christophe Simon/AFP/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Frankreich: Missbrauchsopfer spricht von «Feigheitsprozess»
Zum letzten Mal spricht Gisèle Pelicot im Verfahren um zigfache Vergewaltigungen in Südfrankreich. Für die Aussagen einiger Angeklagter hat das Missbrauchsopfer klare Worte.
Meistgelesene Artikel
- 7. August 2026
14-Jährige stürzt beim Klettern in Südtirol zu Tode
Eine Familie aus Tschechien macht Urlaub in den Dolomiten. Bei einer Tour auf mehr als 2.500 Meter Höhe verliert die Tochter das Gleichgewicht. Alle Hilfe kommt zu spät.
- 7. August 2026
Kurze Pause vor der nächsten Hitze - 36 Grad am Wochenende
Am Samstag und Sonntag wird es in weiten Teilen Deutschlands wieder heiß. Und auch die nächste Woche bringt kaum Abkühlung.
- 12. August 2026
Picknick & Poesie: Open-Air-Lesung im Ziegelweiherpark Erkelenz
Am 13. August lädt die 54. Erkelenzer Leseburg um 19 Uhr zur Open-Air-Lesung mit Picknick im Ziegelweiherpark ein.
Neueste Artikel
- 6. September 2026
Berichte: Drei Tote nach Gebäudeeinsturz in Neu-Delhi
Rettungskräfte suchen weiter nach Verschütteten in Neu-Delhi. Das Gebäude diente als Studentenunterkunft.
- 6. September 2026
20 Verletzte bei Unfall mit Reisebus auf der A3
Auf der Autobahn 3 bei Wörth an der Donau kommt es zu einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen - darunter ein Reisebus.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 6. September 2026
Berichte: Drei Tote nach Gebäudeeinsturz in Neu-Delhi
Rettungskräfte suchen weiter nach Verschütteten in Neu-Delhi. Das Gebäude diente als Studentenunterkunft.
- 6. September 2026
20 Verletzte bei Unfall mit Reisebus auf der A3
Auf der Autobahn 3 bei Wörth an der Donau kommt es zu einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen - darunter ein Reisebus.






















