18. März 2024 / Aus aller Welt

Grasfütterung für Kühe macht Milchproduktion nachhaltiger

Mehr Gras statt Kraftfutter und Maissilage für Kühe: Eine Studie im Auftrag von Greenpeace gibt nun Aufschluss, was das etwa für Milch- und Gesamtnahrungsmittelproduktion sowie Klimaschutz bedeutet.

Einer Studie zufolge hat die Grasfütterung von Kühen positive Auswirkungen auf das Klima.
Veröffentlicht am 18. März 2024 um 13:33 Uhr von dpa

Mehr Gras und Heu statt Mais und Kraftfutter für deutsche Rinder hätten einer Studie zufolge positive Auswirkungen in verschiedenen Bereichen. Der Futterwechsel beeinflusse sowohl den Flächenverbrauch, die Gesamtproduktion von Nahrungsmitteln als auch das Klima und das Tierwohl. Das geht aus der Studie des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) hervor, die der Auftraggeber Greenpeace am Montag veröffentlichte.

Somit habe eine rein grünlandbasierte Milchproduktion großes Potenzial für den Klimaschutz. Gleichzeitig könne die Nahrungsmittelproduktion durch frei werdende Futterflächen deutlich erhöht werden.

Weniger Milch, mehr Ackerfläche

Das FiBL hat in verschiedenen Szenarien berechnet, wie sich die Anzahl der Rinder und die Milch- sowie Rindfleischproduktion im Vergleich zu heute verändert, wenn der Anteil an Gras im Futter zwischen 85 und 100 Prozent liegt. Ohne den Einsatz von Maissilage und energiereichem Kraftfutter würde die durchschnittliche Milchmenge pro Jahr demnach um bis zu 50 Prozent sinken. Auch die produzierte Fleischmenge würde deutlich zurückgehen.

Gleichzeitig würden aber 2,4 Millionen Hektar Ackerflächen frei, auf denen bisher Mais und anderes Ackerfutter für Kühe und Mastrinder angebaut werden. Auf diesen Flächen könnten direkt Nahrungsmittel für Menschen angebaut werden. So ließen sich zweieinhalb bis dreieinhalb Mal mehr pflanzliches Protein erzeugen, als an tierischem Protein durch die Reduktion von Milch- und Fleischproduktion wegfielen.

Auch der Einfluss auf die Treibhausgasemissionen wurde untersucht. Die schädlichen Gase verringerten sich demnach von 33,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten auf zwischen 22,2 Millionen Tonnen und 27,7 Millionen Tonnen je nach Szenario. Die Größe der CO2-Äquivalente macht verschiedene Treibhausgase vergleichbar.

Umstellung nur mit längeren Übergangsperioden

Die Studienautoren weisen in ihrer Untersuchung darauf hin, dass eine solche Umstellung «mit großen Veränderungen im Angebot von tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln» einhergehe. «Eine Umstellung auf solche Systeme würde große Veränderungen auf Betriebsebene bedingen und wäre nur mit längeren Übergangsperioden und guter Unterstützung möglich.»

Greenpeace fordert Politik zum Handeln auf

Die Milchindustrie gaukele Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, dass Kühe vor allem Gras und Heu fressen, sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. «Doch die heutigen Milchmengen sind nur möglich, wenn die Tiere viel Silomais und Kraftfutter bekommen.» Der Studie zufolge hatten 2020 nur 30 Prozent der Milchkühe in Deutschland Weidezugang, und dies lediglich für knapp sechs Monate im Jahr.

Greenpeace fordert, die Kuh wieder zu dem machen, was sie ursprünglich war: «ein exzellenter Verwerter von Grünland, das der Mensch ansonsten nicht bewirtschaften kann». Den Angaben zufolge besteht ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland aus Grünland, das aus ökologischen und klimatischen Gründen nicht bewirtschaftet werden kann oder nicht für Ackerbau geeignet ist. «Die Politik sollte dringend handeln und die Bewirtschaftung von Grünland beispielsweise durch eine Weideprämie fördern», sagte Hofstetter.


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
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