9. Januar 2025 / Aus aller Welt

Helodrilus bavaricus: Bayerischer Regenwurm entdeckt

Regenwürmer braucht das Land - denn sie erhalten den Boden fruchtbar. Nun ist auf dem Acker eines Landwirts in Niederbayern ein ganz besonderer Wurm entdeckt worden.

Der neu entdeckte bayerische Regenwurm Helodrilus bavaricus ist weltweit einzigartig. (Handout)
Veröffentlicht am 9. Januar 2025 um 13:44 Uhr von dpa

Bayern hat einen eigenen Regenwurm: Wissenschaftler haben bei Rotthalmünster im niederbayerischen Landkreis Passau eine Art entdeckt, die bisher weltweit einzigartig ist und deshalb den Namen Helodrilus bavaricus bekam: der bayerische Regenwurm. Den Forschern sei mit dem Fund eine kleine Sensation geglückt, erläuterte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Bayern-Wurm: Traum in Blassrosa 

Die LfL-Wissenschaftler forschen seit Jahrzehnten zu Regenwürmern als Nützlingen für die Landwirtschaft. In Feldversuchen und auf Boden-Dauerbeobachtungsflächen werden dabei Regenwürmer gezählt, gewogen und ihre Arten bestimmt. 

Die Entdeckung einer neuen Art sei der Traum vieler Biologen, so die LfL. Der Bayern-Wurm ist den Angaben zufolge eher unscheinbar: Er ist ausgewachsen wenige Zentimeter groß und blassrosa gefärbt. 

Der Fund gelang auf dem Hof eines Landwirts, der seit fünf Jahren einen Acker mit Direktsaat bestellt, also ohne Bodenbearbeitung seit der vorangegangenen Ernte. Mit diesem bodenschonenden Bearbeitungsverfahren füttere und hege er Regenwürmer, erläuterte die LfL. 

Regenwurm-Paradies 

Der Landwirt nimmt an dem bundesweiten Final-Projekt zur Förderung von Insekten in Agrarlandschaften teil. Bei einer Untersuchung seines Ackers Ende April vergangenen Jahres stellte das LfL-Team unter Leitung der Biologin Roswitha Walter fest: Auf dem Feld leben «sehr viele» Regenwürmer. Mit etwa 600 Tieren pro Quadratmeter lag der Wert demnach um das Vierfache höher als der bayerische Durchschnitt für Äcker. 

In Deutschland sind laut LfL rund 50 Regenwurmarten bekannt, in Rotthalmünster wurden acht Regenwurmarten identifiziert. Doch einige Tiere von dem niederbayerischen Feld waren dem Team unbekannt.

Ein Relikt der Eiszeit?

Nach Hinzuziehen weiterer Regenwurm-Experten war klar, dass es sich um eine neue Art handelte. Die Experten klassifizierten den bislang unbekannten Regenwurm systematisch, beschrieben ihn im Fachjournal «Opuscula Zoologica» und verliehen ihm seinen Namen. 

Dass die Art erst jetzt entdeckt wurde, liege vermutlich weder an ihrer wenig auffälligen Erscheinung noch an ihrer versteckten Lebensweise, erklärten die Forscher. Vielmehr werde angenommen, dass es sich um ein Eiszeitrelikt handelt, die Art also nur innerhalb eines kleineren eisfreien Areals in Südbayern überleben konnte. Nun soll geklärt werden, wie groß das Verbreitungsgebiet von Helodrilus bavaricus ist.

Die verborgene Welt im Boden

Regenwürmer ernähren sich von Ernteresten, Stroh, Gülle, Mist oder Mulch, mischen die Reste in den Boden ein und beschleunigen so den Abbau. Damit tragen sie zur Freisetzung von Nährstoffen bei. Ihre Gänge dienen der Bodendurchlüftung und begünstigen das Versickern von Wasser - das mindert die Erosion.


Bildnachweis: © Roswitha Walter/Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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