23. Juni 2023 / Aus aller Welt

Hitzestress vergrößert Risiko von spontanen Frühgeburten

Schwüle Sommerhitze bedeutet für Hochschwangere eine besondere Belastung. Hamburger Forscherinnen haben nun herausgefunden, dass an heißen Tagen das Risiko einer Frühgeburt steigt.

Bleibt es mehrere Tage lang heiß, steigt das Risko vorzeitiger Wehen.
Veröffentlicht am 23. Juni 2023 um 17:43 Uhr von dpa

Längerer sommerlicher Hitzestress erhöht nach einer neuen Studie das Frühgeburtsrisiko für Hochschwangere. Mehrere Tage am Stück mit Temperaturen von 30 Grad steigerten das Risiko für Frauen in der 34. bis zur 37. Schwangerschaftswoche um 20 Prozent, mehrere Tage mit über 35 Grad sogar um 45 Prozent, wie eine Untersuchung unter Leitung von Forscherinnen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ergab.

Das Team um die Professorinnen Petra Arck und Anke Diemert analysierte mehr als 42.000 Patientenakten von Frauen, die in den vergangenen 20 Jahren in dem Hamburger Klinikum ein Kind zur Welt brachten.

Ab dem dritten Tag

Die Medizinerinnen stellen im Fachblatt «eBioMedicine» fest, dass werdende Mütter ein bis zwei heiße Tage offensichtlich gut überstehen. Erst am dritten, vierten oder fünften Tag ohne Abkühlung setzten häufiger vorzeitige Wehen ein, vor allem wenn eine hohe Luftfeuchtigkeit das gefühlte Wärmeempfinden verstärke.

In der Studie wurden nur sogenannte spontane Frühgeburten berücksichtigt und nicht solche, bei denen das Kind wegen Gefahr für sich oder die Mutter per Kaiserschnitt zur Welt gebracht wird, wie Diemert erklärte.

Tagelange Hitzewellen sind nach Angaben der Ärztinnen für Hochschwangere extrem belastend. Der Bauch drückt auf die Hauptvene, weswegen am Herzen nicht mehr so viel Blut ankommt. Die Hitze weite die Blutgefäße und verstärke den Effekt. Auch die Versorgung des Babys in der Gebärmutter mit Sauerstoff und Nährstoffen werde beeinträchtigt. Zudem sinken die Schwangerschaftshormone, während der Spiegel des Stresshormons Cortisol steigt. Hinzu komme fehlender Schlaf.

Normalerweise dauer eine Schwangerschaft im Schnitt 40 Wochen. Bei der Studie ging es um sogenannte späte Frühgeburten, bei denen das Kind zwischen der 34. und bis zur 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Anders als bei noch früher geborenen Kindern gehe es bei diesen Babys in der Regel nicht ums Überleben, sagte Diemert. Aber im späteren Leben hätten sie ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme wie Konzentrationsstörungen, Infektionen und Übergewicht.

Keine gute Prognose wegen Klimaerwärmung

Die Zahl der späten Frühgeburten nehme in allen Industrieländern zu. Ein Grund dafür könnte die Klimaerwärmung sein, vermutet das Hamburger Forscherteam, zu dem auch Meteorologen gehören. Angesichts der Klimaprognosen für die nächsten zehn Jahre könnte der Anteil der zu früh geborenen Kinder von derzeit gut 8 auf 15 Prozent im Jahr 2033 steigen.

Zwar lässt sich ein direkter Kausalzusammenhang zwischen zunehmender Sommerhitze und dem steigenden Risiko einer Frühgeburt mit dieser Studie nicht abschließend beweisen. «Aber aufgrund der großen Datenmenge ist ein anderer Effekt sehr schwer vorstellbar.»


Bildnachweis: © Mascha Brichta/dpa-tmn/dpa
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