21. Mai 2023 / Aus aller Welt

«Jugend forscht»: Bio-Tüte, EKG-Konzept und Deosalze

Mehr als 170 junge Forschende zeigen mehrere Tage in Bremen ihre Projekte beim Finale des Bundeswettbewerbs von «Jugend forscht». Am Sonntag stehen die Sieger fest.

Anja Armstrong (l-r), Jennifer Boronowska und Seyma Celik stellen bei «Jugend forscht» ihre kompostierbaren Einwegtüten vor.
Veröffentlicht am 21. Mai 2023 um 17:47 Uhr von Janet Binder und Friedemann Kohler, dpa

Die diesjährigen Gewinner des Bundeswettbewerbs von «Jugend forscht» sind ausgewählt: Die besten Nachwuchs-Forschenden wurden am Sonntag in Bremen ausgezeichnet. Unter ihnen sind drei junge Frauen aus Rüsselsheim in Hessen, die eine kompostierbare Einwegtüte entwickelt haben, wie die Veranstalter mitteilten. «Man kann sie öfter benutzen als eine Papiertüte», sagte die 18 Jahre alte Anja Armstrong.

Als Materialbasis verwendeten sie und ihre beiden Mitstreiterinnen ein mit Hanffasern verstärktes Biopolymer aus Glycerin, Essigsäure, Stärke und Wasser. Mit Testreihen kam das Trio auf einen Materialmix, der reißfester ist als Papiertüten, aber trotzdem in drei Wochen biologisch abbaubar ist.

Mehr als 100 Projekte

Mehr als 170 Talente aus Deutschland waren für vier Tage in die Hansestadt gereist, um ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren. Der Wettbewerb stand unter dem Motto «Mach Ideen groß!». Die mehr als 100 Projekte umfassten Themen vom Umweltschutz bis zur Medizin.

Zwei 18-Jährige aus Wittlich in Rheinland-Pfalz überzeugten die Jury im Fachgebiet Chemie mit ihren Forschungen zu Aluminium in Deos. Sie verglichen handelsübliche Deodorants und Lösungen verschiedener Salze auf ihre schweißhemmende Wirkung. «Wir konnten in unserer Forschung feststellen, dass viele andere Stoffe eine ähnliche Wirkung wie Aluminium haben», sagte Gewinnerin Maike Zöllner.

Sie und ihre Kollegin Nike Remde nahmen erstmals an «Jugend forscht» teil, auf Anhieb hatten sie es über Regional- und Landeswettbewerbe bis ins Bundesfinale geschafft. «Das ist ziemlich faszinierend. Jeder Wettbewerb ist größer», sagte Maike Zöllner, die nach dem Abitur 2024 Medizin studieren will. Der Austausch zwischen den Teilnehmenden sei spannend. «Es gibt keinen Konkurrenzkampf.»

Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit erhielt Bastian Auer (20) aus Bayern. Er entwickelte ein patientenschonendes EKG-Konzept, bei dem nur noch vier statt zehn Elektroden angelegt werden müssen. Neuronale Netzwerke rekonstruieren die fehlenden Signale der sechs schwerer anzubringenden Elektroden für eine vollständige und störungsfreie Diagnostik.

«Ich sage Zugverspätungen voraus»

Beim Besuchertag am Samstag drängten sich in der Bremer Stadthalle Vertreter von Technikfirmen auf der Suche nach neuen Ideen, stolze Eltern, Lehrkräfte sowie die Teilnehmenden. «Ich sage Zugverspätungen voraus», erzählte Theo Döllmann (20) von der Uni Augsburg. In zweieinhalb Jahren sammelte er 1,2 Terabyte Daten über Verspätungen. Nun kann sein Computer-Programm mit Künstlicher Intelligenz genau prognostizieren, ob eine Zugverbindung pünktlich sein wird oder nicht.

Zu den jüngsten Teilnehmern gehörten Jonas Bunkowski und Per Garbrecht (beide 13) aus Bremen. Sie haben sich mit dem Flettner-Rotor beschäftigt, einem Windantrieb für Schiffe, und haben ein Modellboot mit einem Katamaran-Rumpf aus Styropor gebaut. Die Jungen hätten im Fernsehen etwas über den schornsteinförmigen Antrieb gesehen und sich von einer runden Chipsdose als Bauteil inspirieren lassen, erzählte Vater Alexander Bunkowski. Er sei «megastolz auf jeden Fall» auf die Achtklässler.


Bildnachweis: © Hauke-Christian Dittrich/dpa
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