19. Januar 2026 / Aus aller Welt

Prinz Harry zerrt Boulevardblatt «Daily Mail» vor Gericht

Abgehörte Telefonate, Wanzen und Bestechung: Erneut geht Prinz Harry gegen die britische Klatschpresse vor. Doch ob er und seine prominenten Mitkläger das Gericht überzeugen können, ist ungewiss.

Am Donnerstag will Harry selbst in den Zeugenstand treten.
Veröffentlicht am 19. Januar 2026 um 16:51 Uhr von Patricia Bartos und Christoph Meyer, dpa

Haben Privatdetektive Prinz Harry und seine Ex-Freundinnen beim Telefonieren belauscht? Diese und weitere schwere Vorwürfe des Herzogs von Sussex und weiterer Promis wie Popstar Elton John (78) brachte deren Anwalt beim Prozessauftakt gegen den Verlag der «Daily Mail» in London vor. Der Verlag streitet die Vorwürfe allesamt ab.

Für den jüngeren Sohn des britischen Königs Charles III. (77) ist es bereits das dritte Verfahren gegen die britische Boulevardpresse. Der 41-Jährige traf zum Prozessauftakt persönlich am Londoner High Court ein und wirkte zuversichtlich: Mit einem Lächeln ging er zielstrebig auf das Gerichtsgebäude zu und winkte den wartenden Reportern und aufblitzenden Kameras kurz zu. Harry klagte bereits erfolgreich gegen den Verlag des «Daily Mirror» und einigte sich auf einen Vergleich mit dem Verlag der «Sun».

Zahlungen an Privatdetektive als Indiz

Am Donnerstag soll Harry einem Medienbericht zufolge selbst in den Zeugenstand treten. Insgesamt sind neun Wochen Verhandlungszeit angesetzt.

Die Klage stützt sich vor allem auf Zahlungsverkehr zwischen Journalisten und Privatdetektiven. Anhand von 14 Artikeln, in denen private Details - etwa zur Beziehung Harrys mit seiner Ex-Freundin Chelsy Davy oder seinem Bruder Prinz William (43) - veröffentlicht wurden, will er zudem beweisen, dass die Informationen nur illegal beschafft werden konnten. Harte Beweise legte die Klägerseite nicht vor.

Die Gegenseite vom Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) ist dementsprechend selbstbewusst. Anders als in früheren Verfahren gebe es keine strafrechtlichen Verurteilungen gegen Journalisten, hieß es in einer schriftlichen Eingabe der ANL-Anwälte. Die schwersten Vorwürfe seien daher ohne Grundlage. Mit weniger problematischen Praktiken habe der Verlag bereits lange aufgeräumt.

Harry: Praktiken haben mich «isoliert»

Die Kläger hoffen darauf, dass die schiere Masse an Indizien das Gericht überzeugen wird. Mehr als drei Millionen Pfund (derzeit etwa 3,5 Millionen Euro) soll der Verlag für Privatdetektive ausgegeben haben, sagte Kläger-Anwalt David Sherborne. Damit hätten sich die Journalisten sensible Informationen beschafft und ihre Artikel gefüttert. Telefonate und Mailbox-Nachrichten seien abgehört und Dokumente wie Krankenakten beschafft worden - oder wie im Fall von Elton John und dessen Mann David Furnish die Geburtsurkunde eines Sohns der beiden.

Er warf dem Verlag eine «Kultur der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung» vor, die «das Leben so vieler Menschen zerstört» habe und in der systematisch vorgegangen worden sei. Viele Dokumente, die als Beweise hätten dienen können, seien jedoch zerstört worden.

Harry teilte dem Gericht in einer schriftlichen Stellungnahme mit, er empfinde die angeblichen Praktiken als «zutiefst beunruhigend». Die Journalisten hätten etwa «Freunde» des Prinzen als Quelle genannt, um ihre unrechtmäßigen Praktiken zu verschleiern. Das habe die Beziehungen belastet, Misstrauen erzeugt und «mich unvorstellbar in Verfolgungswahn getrieben und isoliert», so Harry.

Harry löst sich von der Doktrin des Königshauses

Dass Harry bereit ist, ins Kreuzverhör genommen zu werden, bewies er bereits im Prozess gegen den «Mirror-Verlag» – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für ein Mitglied der britischen Königsfamilie. Die Royals vermeiden solche Auftritte, um nicht ungewollt noch mehr aus ihrem Privatleben offenbaren zu müssen. Daher gilt im Palast die Devise: «Never complain, never explain» («Nie beschweren, nie erklären»).

Doch der Prinz, der sich 2020 aus dem inneren Kreis der Royals löste und mit seiner Frau Herzogin Meghan (44) und den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen die «Tabloid Press», wie die britische Boulevardpresse genannt wird. Er will eigenen Angaben zufolge zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten. 

Harry fürchtet, Schicksal seiner Mutter könnte Meghan treffen

Immer wieder hat Harry deutlich gemacht, dass er den Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana 1997 in Paris den Paparazzi anlastet, die ihr und ihren Begleitern damals auf den Fersen waren. Mehrmals deutete er an, dass er befürchtet, seine Frau Meghan könne ein ähnliches Schicksal ereilen.

Auch den Austritt aus dem engeren Kreis der Königsfamilie, den er und Meghan vor gut fünf Jahren vollzogen hatten, und das Zerwürfnis mit Angehörigen auf beiden Seiten lastet er teilweise den Boulevardmedien an. Sie waren ihm seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt gefolgt.


Bildnachweis: © Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
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