14. August 2024 / Aus aller Welt

Medikamenten-Sicherheitstests mit Kaninchen enden

Mehr Schutz von Versuchstieren in der EU: Kaninchen dürfen bald so gut wie nicht mehr für Tests zu Fieber erzeugenden Mitteln herangezogen werden. Alternativen funktionieren ohne Tiere.

Kaninchen gehören nach Mäusen, Fischen und Ratten zu den häufigsten Versuchstieren.
Veröffentlicht am 14. August 2024 um 13:40 Uhr von dpa

Bestimmte Sicherheitstests für Medikamente dürfen künftig nicht mehr an Kaninchen durchgeführt werden, sondern geschehen durch tierversuchsfreie Alternativen. Die Kaninchen-Tests zum Nachweis fieberauslösender Substanzen würden zum 1. Juli 2025 aus den europäischen Vorschriften zur Arzneimittelprüfung weitgehend gestrichen, erklärte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. 

Es handelt sich dabei um die sogenannten Kaninchen-Pyrogentests. Pyrogene sind Fieber erzeugende Faktoren - vor allem Bakterien, aber auch Viren, Parasiten oder etwa Chemikalien. Weil solches Fieber unter Umständen lebensbedrohlich sein kann, sind Tests auf Pyrogene im Europäischen Arzneibuch vorgeschrieben. Traditionell wird den Kaninchen die zu untersuchende Substanz in Blutgefäße gespritzt, um zu beobachten, ob sie daraufhin eine höhere Körpertemperatur bekommen. So konnten Verunreinigungen in Arzneimitteln frühzeitig nachgewiesen werden. 

Noch vor einigen Jahren wurden EU-weit Zehntausende Test pro Jahr an Kaninchen durchgeführt. Da es zunehmend andere Testverfahren gab, ging die Zahl der Versuchskaninchen für diese Tests zurück. «Rein faktisch war der Kaninchen-Pyrogentest schon länger nahezu abgeschafft», erklärte das PEI für Deutschland. Doch an anderer Stelle werden Kaninchen weiterhin als Versuchstiere eingesetzt, zum Beispiel zur Produktion von Antikörpern oder in der Tumorforschung. Eine EU-Datenbank erfasste für das Jahr 2022 für Deutschland mehr als 65.000 Tests an Kaninchen.

Als Ersatz für die Kaninchen-Pyrogentests wurde zunächst ein Test entwickelt, der auf dem Blut von Pfeilschwanzkrebsen beruht. Neuere Tests hingegen funktionierten ohne Tiere oder Material tierischen Ursprungs, erklärte das PEI. Bei einem der Tests, dem Monozyten-Aktivierungstest, wird das zu prüfende Arzneimittel mit menschlichem Blut gemischt. Der sogenannte rekombinante-Faktor-C-Test wiederum verwendet ein Enzym, das vom Pfeilschwanzkrebs stammt und nun im Labor hergestellt wird.

Das Europäische Arzneibuch für die Qualität von Arzneimitteln wird in Straßburg publiziert. Darin stehen die Regeln zur Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln sowie welche Stoffe bei der Herstellung eingesetzt werden dürfen. Zuständig ist die Arzneibuchkommission, in der auch das PEI und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vertreten sind.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

1.500 Euro für den Kinderschutzbund Erkelenz – Spende ermöglicht Ausflug für geflüchtete Kinder
Aus den Vereinen

1.500 Euro für den Kinderschutzbund Erkelenz – Spende ermöglicht Ausflug für geflüchtete Kinder

weiterlesen...
Einbruch in Lagerhalle
Polizeimeldungen

Hückelhoven-Hilfarth (ots) - Mehrere unbekannte Täter verschafften sich in der Nacht zu

weiterlesen...
Vorbestrafter Mann nach Angriff auf Bahnmitarbeiter frei
Aus aller Welt

Nach einer brutalen Attacke stürzt ein Bahnmitarbeiter aus einem Zug und wird schwerst verletzt. Gegen einen Fahrgast wird Haftbefehl beantragt - doch der vorbestrafte Mann kommt auf freien Fuß.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Arday: Cambridge-Kanzler prangert «rassistische Hetzjagd» an
Aus aller Welt

Der Fall Arday bewegt Großbritannien weiter. Nach dem Tod des früheren Star-Professors erhebt der Kanzler der Uni Cambridge schwere Vorwürfe gegen den Umgang mit dem 41-Jährigen.

weiterlesen...
Makabrer Fund: Urne aus Deutschland an italienischem Strand
Aus aller Welt

Eine Frau macht einen Spaziergang am Meer - und eine unangenehme Entdeckung: Im Sand liegt eine Urne mit der Asche eines Menschen. Noch weiß niemand, wie sie dorthin kommen konnte.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Arday: Cambridge-Kanzler prangert «rassistische Hetzjagd» an
Aus aller Welt

Der Fall Arday bewegt Großbritannien weiter. Nach dem Tod des früheren Star-Professors erhebt der Kanzler der Uni Cambridge schwere Vorwürfe gegen den Umgang mit dem 41-Jährigen.

weiterlesen...
Makabrer Fund: Urne aus Deutschland an italienischem Strand
Aus aller Welt

Eine Frau macht einen Spaziergang am Meer - und eine unangenehme Entdeckung: Im Sand liegt eine Urne mit der Asche eines Menschen. Noch weiß niemand, wie sie dorthin kommen konnte.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner