10. Juli 2024 / Aus aller Welt

Mittelschweres Schwarzes Loch in unserer Galaxie entdeckt

Schwarze Löcher sind eigentlich unsichtbar. Doch über extrem schnelle Sterne in der Nähe wurde nun ein neues Schwarzes Loch gefunden: ein Monster im Herzen des Kugelsternhaufens Omega Centauri.

In diesem Feld befindet sich das entdeckte mittelschwere schwarze Loch.
Veröffentlicht am 10. Juli 2024 um 17:00 Uhr von Rainer Kayser, dpa

Seit langem wird in der Astronomie der Verdacht gehegt: Eigentlich muss es auch mittelschwere Schwarze Löcher geben. Aber zuverlässige Beobachtungen gelangen bislang nicht. Nun aber legt ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Maximilian Häberle vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg den bislang besten Beweis für genau so ein Schwarzes Loch vor.

In den Archivdaten des Weltraumteleskops Hubble spürte das Team in der Mitte des Kugelsternhaufens Omega Centauri sieben Sterne auf, die sich mit extrem hoher Geschwindigkeit bewegen. Nur die Anziehungskraft eines Schwarzen Lochs könne die Bewegung der Sterne erklären, schreiben die Forschenden im Fachblatt «Nature». Aus ihren Daten schlussfolgern sie: Das Schwarze Loch im Zentrum von Omega Centauri besitzt die 8.200-fache Masse unserer Sonne.

Das uns nächste massereiche Schwarze Loch 

Das neu beschriebene Schwarze Loch liegt - den Weltraum betrachtet - in der Nähe der Erde. Es sei etwa 18.000 Lichtjahre entfernt, erläutert Mitautorin Nadine Neumayer. Damit sei es das nächstgelegene bekannte Beispiel für ein massereiches Schwarzes Loch. Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie, der Milchstraße, befindet sich in einer Entfernung von rund 27.000 Lichtjahren.

Um neue Schwarze Löcher zu finden, hatten Astronomen immer wieder nach solchen rasenden Sternen gesucht - bislang erfolglos. Häberle machte sich erneut auf die Suche. Dabei griff er auf bislang für diesen Zweck ungenutzte Daten des Hubble-Teleskops zurück, das zur Eichung seiner Instrumente immer wieder Omega Centauri fotografiert hatte. Insgesamt 500 Archivbilder aus einem Zeitraum von 20 Jahren standen Häberle so zur Verfügung. Der Forscher vermaß auf diesen Bildern akribisch die Bewegung von etwa 150.000 Sternen.

Sieben Nadeln im Heuhaufen

«Die Suche nach schnellen Sternen und die Dokumentation ihrer Bewegung glich der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen», erklärt der Forscher. Am Ende hatte Häberle nicht nur den bislang vollständigsten Katalog der Sternbewegungen in Omega Centauri erstellt, sondern auch sieben Nadeln im Heuhaufen gefunden: sieben Sterne, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen. Mit dieser Geschwindigkeit müssten, meint Häberle, die Sterne aus dem Sternhaufen heraus fliegen. Nur die Anziehungskraft eines Schwarzen Lochs mit der 8200-fachen Sonnenmasse kann die Sterne festhalten, zeigen seine Berechnungen.

Ein Schwarzes Loch mit einer solchen Masse aufzuspüren, ist für die Astronomen von großer Bedeutung. Denn bislang kannten die Himmelsforscher lediglich zwei Arten Schwarzer Löcher. Sogenannte stellare Schwarze Löcher mit bis zu 150 Sonnenmassen entstehen, wenn große Sterne ihren nuklearen Energievorrat verbraucht haben und haltlos zusammenstürzen. Und dann sind da die supermassereichen Schwarzen Löcher in den Zentren von Galaxien mit der millionen- oder gar milliardenfachen Masse der Sonne.

Diese supermassereichen Schwarzen Löcher sind, so die Vermutung, durch die Verschmelzung kleinerer Schwarzer Löcher mit einigen Tausend Sonnenmassen entstanden. Einige solcher mittelschwerer Schwarzen Löcher sollte es noch heute im Kosmos geben. Tatsächlich stießen die Himmelsforscher auf eine ganze Reihe von Kandidaten für derartige Objekte in kleineren Galaxien und Kugelsternhaufen. Doch direkte Beweise gab es bislang nicht: Die Bewegung von Sternen in solchen fernen Objekten ist einfach zu schwer zu beobachten.

Galaxie, die von der Milchstraße verschluckt wurde

Hier kommt Omega Centauri ins Spiel: Er ist mit zehn Millionen Sternen der größte Kugelsternhaufen der Milchstraße. Am Südhimmel ist er sogar als Fleck mit bloßen Augen zu erkennen. Vermutlich handelt es sich bei Omega Centauri um die ehemalige Zentralregion einer kleinen Galaxie, die vor Milliarden von Jahren mit der Milchstraße kollidierte und dabei ihre äußeren Regionen verloren hat. 

Die Idee war: Falls es diese Kollision gab, dann sollte sich ein zuvor im Zentrum der kleinen Galaxie vorhandenes mittelschweres Schwarzes Loch bis heute in Omega Centauri erhalten haben. Und dank der Nähe des Kugelsternhaufens zur Erde lässt sich auch die Bewegung von Sternen dort beobachten.

Nun soll das Weltraumteleskop James Webb weiter messen

Die jetzt von Häberle und seinem Team aufgespürten Sterne bestätigen diese Überlegung und liefern damit den bislang besten Beweis für die Existenz mittelgroßer Schwarzer Löcher. Allerdings zeigen die Hubble-Bilder lediglich die Bewegung der Sterne am Himmel und nicht die Bewegung auf uns zu oder von uns weg. Diese Radialbewegung der sieben rasenden Sterne wollen die Forscher jetzt mit dem Weltraumteleskop James Webb messen und damit letzte Zweifel an der Existenz des Schwarzen Lochs in Omega Centauri ausräumen.


Bildnachweis: © -/ESA/Hubble & NASA, M. Häberle (MPIA)/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

ELECTRISIZE 2026: Das Foto-Voting ist gestartet – jetzt für euren Favoriten abstimmen!
Aus dem Erkelenzer Land

Das ELECTRISIZE 2026 liegt hinter uns – doch die besonderen Momente des Festivals bleiben!

weiterlesen...
Burgkirmes in Erkelenz: Vom 11. bis 14. September
News aus Erkelenz

Erleben Sie über 70 Attraktionen auf der Burgkirmes Erkelenz. Besonderheiten: Feuerwerk am 11. September und Familientag am 14. September.

weiterlesen...
Größter Waldbrand in NRW – Evakuierung in der Eifel
Aus aller Welt

Flammen, Rauch und Weltkriegsmunition: Eine Feuerwalze im Hürtgenwald rückt an die Eifel-Gemeinde Gey heran. Der wohl größte Waldbrand in NRW fordert Feuerwehr und Anwohner bis an ihre Grenzen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Indonesische Fähre mit rund 240 Menschen an Bord in Seenot
Aus aller Welt

Fähren sind im Inselstaat Indonesien ein wichtiges Transportmittel. Zwischen Java und Kalimantan gerät eine von ihnen in Seenot. Dutzende Passagiere werden durch andere Schiffe gerettet.

weiterlesen...
Goldener Löwe für eine unbequeme Frauenrolle
Aus aller Welt

May el-Toukhy gewinnt den Goldenen Löwen, Lee Chang-dong den Großen Preis der Jury. Das Filmfest Venedig setzt bei der Preisverleihung politische Zeichen – nicht immer mit einfachen Botschaften.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Indonesische Fähre mit rund 240 Menschen an Bord in Seenot
Aus aller Welt

Fähren sind im Inselstaat Indonesien ein wichtiges Transportmittel. Zwischen Java und Kalimantan gerät eine von ihnen in Seenot. Dutzende Passagiere werden durch andere Schiffe gerettet.

weiterlesen...
Goldener Löwe für eine unbequeme Frauenrolle
Aus aller Welt

May el-Toukhy gewinnt den Goldenen Löwen, Lee Chang-dong den Großen Preis der Jury. Das Filmfest Venedig setzt bei der Preisverleihung politische Zeichen – nicht immer mit einfachen Botschaften.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner