26. Juli 2023 / Aus aller Welt

Neuer Bayreuther «Parsifal» - Jubel für Einspringer

Der neue Bayreuther «Parsifal» begeistert das Publikum bei der Eröffnung der Festspiele. Opernstar Garanča bekommt besonders viel Beifall.

Goldfarbene Wagner-Figuren des Konzeptkünstler Ottmar Hörl stehen im Rahmen der Kunstinstallation «You're welcome» vor dem Festspielhaus.
Veröffentlicht am 26. Juli 2023 um 11:49 Uhr von dpa

Großer Jubel für die Sänger, gemischte Reaktionen für die Regie: Der neue «Parsifal» hat bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele für Begeisterung beim Publikum gesorgt. Die galt in erster Linie der Musik - und zwei Einspringern.

Andreas Schager hatte die Titelpartie erst zwei Wochen vor der Premiere von Joseph Calleja übernommen, der wegen einer hartnäckigen Infektion im Halsbereich ausfiel.

Noch mehr gefeiert als der Titelheld wurde aber Opernstar Elīna Garanča bei ihrem Bayreuth-Debüt für eine glänzende Darstellung der Kundry. Auch sie hatte die Rolle sehr kurzfristig übernommen, weil die russische Sängerin Ekaterina Semenchuk ihre Teilnahme an den Festspielen «aus privaten Gründen» abgesagt hatte.

Standing Ovations für Garanča

Garanča bekam für ihre abwechslungsreiche, ausdrucksstarke, kraft- und gefühlvolle Darbietung sogar noch mehr Applaus als der Bayreuther Publikumsliebling Georg Zeppenfeld als hervorragender Gurnemanz. Einige Zuschauer standen aus Begeisterung für sie sogar auf.

Auch Pablo Heras-Casado wurde für sein relativ zügiges Dirigat weitgehend einhellig gefeiert - anders als das Regie-Team um Jay Scheib.

Der US-Amerikaner hatte - ein absolutes Novum auf dem Grünen Hügel - Richard Wagners Gralsritter-Oper in einer Augmented-Reality-Version auf die Bühne gebracht, die allerdings nur ein Bruchteil des Publikums komplett zu Gesicht bekam.

Bühnengeschehen mit virtuellen Elementen

Nur 330 der rund 2000 Zuschauer konnten die virtuellen Elemente, die das Bühnengeschehen ergänzen sollten, mit einer speziellen, rund 1000 Dollar teuren Brille sehen, weil die Festspiele aus Kostengründen nicht mehr davon angeschafft hatten.

Wer eine solche Brille trug, konnte im ersten Akt, bei Parsifals erstem Auftritt, beispielsweise einen erschossenen Schwan sehen, in Klingsors Garten im zweiten Aufzug wuchsen virtuelle Blumen und am Ende desselben brachen die Mauern des Festspielhauses in sich zusammen.

Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) ist die Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele «ein schöner Bayreuth-Abend» gewesen. Zur Neuinszenierung von «Parsifal» sagte sie am Dienstagabend: «Es ist immer spannend, wenn Bayreuth eröffnet wird. Ich finde es gut, dass man neue Formate, neue Versuche macht. Ob es immer funktioniert, ist eine andere Frage.»

Roth hatte nach eigenen Worten die AR-Brille nur am Anfang der Vorstellung auf. «Ich bin ohne die Brille mehr in die Inszenierung hineingekommen», sagte sie dazu.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte eine Brille, sie aber «kaum angehabt. Ich fand es ohne ehrlich gesagt besser», sagte er. Söder lobte die «Spitzenqualität» der Inszenierung. «Parsifal» möge er besonders gerne, «weil es gut ausgeht».


Bildnachweis: © Daniel Karmann/dpa
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