20. Dezember 2022 / Aus aller Welt

Prozessbeginn wegen versuchten Mordes an Ex-Frau

Eine junge Frau steht an einer Hamburger Bushaltestelle. Plötzlich wird sie angegriffen. Ein Mann sticht mehrfach mit dem Messer auf ihren Kopf ein. Nun steht ihr Ex-Partner deshalb vor Gericht.

Der Angeklagte im Prozess um den Vorwurf der Vergewaltigung und des versuchten Mordes im Hamburger Landgericht.
Veröffentlicht am 20. Dezember 2022 um 12:59 Uhr von Christiane Bosch, dpa

Eigentlich wollte die junge Frau an diesem Morgen nach Berlin fahren, um dort neue Ausweispapiere zu beantragen. Doch stattdessen endet ihr Tag im Sommer dieses Jahres mit einer lebensgefährlichen Verletzung im Krankenhaus. Plötzlich greift ein Mann sie brutal von hinten an.

Er soll mehrfach mit dem Messer auf sie eingestochen und vor allem ihren Kopf getroffen haben. Das etwa neun Zentimeter lange Küchenmesser bleibt im Schädelknochen stecken, der Griff bricht ab. Am Dienstag hat sich wegen dieser Attacke ihr Ex-Partner vor dem Hamburger Landgericht verantworten müssen.

Der Angeklagte schweigt zu der Tat

Dem Mann werden unter anderem versuchter Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen sowie Vergewaltigung vorgeworfen. Am ersten Prozesstag schweigt der 29 Jahre alte Afghane zunächst.

Nach dem Verlesen der Anklage werden mehrere Notrufe vom Tatmorgen vorgespielt. Der erste kommt dabei von dem Opfer selbst und beginnt mit einem markerschütternden Schrei. Immer wieder fleht die Frau dabei «Bitte helfen Sie mir schnell! Bitte schnell! Ich kann nicht mehr». Trotz ihrer schweren Verletzungen kann sie dem Mann am Telefon mit Wortfetzen sagen, was passiert ist - immer wieder unterbrochen durch ihr verzweifeltes Schreien, Schluchzen und Wimmern.

«Ich blute komplett. Jemand hat mich abgestochen», sagt sie damals unter anderem. Als der Mann fragt, ob sie gesehen habe, wohin der Angreifer geflohen sei, antwortet sie zunächst nur mit verzweifelten Worten. «Ich kann jetzt nicht reden. Ich hab' ein Messer im Kopf.»

Auch andere Anrufer, die die Feuerwehr oder die Polizei alarmieren, beschreiben die Szenerie an der Bushaltehaltestelle der U-Bahnstation Mümmelmannsberg mit eindrücklichen Worten. «Hier wurde eine Frau abgestochen, die hat das Messer noch im Kopf», sagt einer der Männer beispielsweise. «Sie ist ansprechbar und blutet ganz stark.»

Es gab körperliche Angriffe in der Beziehung

Der Angreifer hat zu diesem Zeitpunkt bereits die Flucht ergriffen. Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot und per Hubschrauber nach dem Mann im schwarzen Kapuzenpullover - zunächst erfolglos. Doch wenige Stunden später wird der Verdächtige im Stadtteil Ottensen vorläufig festgenommen.

Der Mann war zuvor mehr als zwei Jahre mit der zum Tatzeitpunkt 19-Jährigen zusammen. Das Paar war einem Gerichtssprecher zufolge nach islamischem Recht miteinander verheiratet und hatte vor der Trennung auch zusammen gelebt. Wenige Tage vor dem Angriff soll die junge Frau ihrem Ex-Partner noch einmal gesagt haben, dass sie keine gemeinsame Zukunft mehr sieht. Weil er ihr dabei ihren Reisepass abgenommen haben soll, war sie am Morgen des Angriffs auf dem Weg nach Berlin, um dort neue Reisedokumente zu beantragen.

Die Frau soll die Beziehung dem Gerichtssprecher zufolge auch beendet haben, weil es körperliche Übergriffe gegen sie gegeben hatte. Der Mann muss sich vor Gericht auch wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und Vergewaltigung rechtfertigen. Er soll den gemeinsamen Sex während der Beziehung mindestens sieben Mal heimlich mitgefilmt haben. In einem Fall soll er sie dabei gegen ihren ausdrücklichen Willen zum Sex gezwungen haben.


Picture credit: © Kilian Genius/dpa
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