Doppelpunkt, Unterstrich und Sternchen im Wort: Immer wieder werden kontroverse Debatten über das Gendern geführt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung berät heute im belgischen Eupen über geschlechtergerechtes Schreiben, wie das Gremium ankündigte. Die Geschäftsführerin des Rats, Sabine Krome, sagte vorab der Deutschen Presse-Agentur: Bislang habe es keinen Passus im vom Rat herausgegebenen Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung «explizit zum Umgang mit gendergerechter Schreibung, und hier insbesondere den die Orthografie betreffenden Sonderzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt» und andere im Wortinneren gegeben. Über eine Aufnahme eines solchen Passus werde beraten und es werde auch etwas beschlossen. Hintergrund ist Krome zufolge auch, dass es in den vergangenen Jahren viele Anfragen von behördlicher Seite und von Schulen gab. Der Rat ist eine wichtige Instanz für Rechtschreibung. Seine Aufgabe im Auftrag von staatlichen Stellen ist es, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auch mit Blick auf den Wandel der Sprache weiterzuentwickeln. Zuletzt hatte der Rat im Jahr 2021 empfohlen, Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt oder andere Formen zur Kennzeichnung von mehrgeschlechtlichen Bezeichnungen im Wortinneren zu diesem Zeitpunkt nicht in das Amtliche Regelwerk aufzunehmen. Zu seiner Empfehlung führte der Rat unter anderem aus, dass geschlechtergerechte Schreibweise nicht das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache erschweren dürfe. Seit Jahren wird in Deutschland diskutiert, ob - und wenn ja, wie - die männlichen Formen in der Sprache durch weiter gefasste Begriffe ersetzt werden können oder sollten - um zum Beispiel Frauen offensiver einzubeziehen. Das Gendersternchen wie bei Lehrer*innen ist eine Möglichkeit. Manche setzen an die Stelle auch einen Doppelpunkt oder einen Unterstrich. In der gesprochenen Sprache und im Fernsehen oder Radio äußert sich das dann als Sprechpause. Die Debatte um den Gebrauch von Gender-Sprache betrifft inzwischen viele Lebensbereiche und kocht zum Teil auch hoch. Ein Beispiel aus Politik und Medien: CDU-Chef Friedrich Merz positionierte sich auf einem CDU-Parteitag 2022 indirekt gegen das Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und sagte: «Universitäten, meine Damen und Herren, und öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind keine Volkserziehungsanstalten.» Von Senderseite wurde der Vorwurf zurückgewiesen. Auch in der Wirtschaft und bei Gerichten ist das Thema Gendern längst angekommen. So beschäftigte sich zum Beispiel das Landgericht Ingolstadt im vergangenen Jahr mit einer Klage gegen einen Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache beim Autobauer Audi.Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt?
Aufgeladene Debatte
Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Rat für deutsche Rechtschreibung berät über Gendersternchen
In Schulen, am Arbeitsplatz und in der Politik wird über das Gendern diskutiert. Wie sieht eine gerechte Schreibweise aus? Ein wichtiges Gremium kommt zur Beratung zusammen.
Meistgelesene Artikel
- 14. Juli 2026
Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.
Zerbeulte Autos, kaputte Dächer: Im Norden Deutschlands hat schwerer Hagel große Zerstörungen angerichtet. Sogar Radlader mussten zum Räumen anrücken.
- 17. Juli 2026
Erkelenzer Land App Wochenübersicht für die KW29 & 30
Was steht vom 17. bis 23.07.2026 an?
Neueste Artikel
- 13. August 2026
Plötzlich wird es still am Trümmerberg in Cali
In Kolumbiens Stadt Cali halten Menschen an einem eingestürzten Gebäude den Atem an. An den Trümmern helfen Freiwillige, beten Angehörige – und plötzlich gibt es Grund zur Hoffnung.
- 13. August 2026
Nach Sonnenfinsternis: Patienten beklagen Augenschmerzen
Schwindel, Brennen und Flecken: Nach der Sonnenfinsternis suchen einige Menschen mit Beschwerden die Augenkliniken auf. Was die Ärzte dazu sagen und was passiert, wenn Warnungen ignoriert werden.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 13. August 2026
Plötzlich wird es still am Trümmerberg in Cali
In Kolumbiens Stadt Cali halten Menschen an einem eingestürzten Gebäude den Atem an. An den Trümmern helfen Freiwillige, beten Angehörige – und plötzlich gibt es Grund zur Hoffnung.
- 13. August 2026
Nach Sonnenfinsternis: Patienten beklagen Augenschmerzen
Schwindel, Brennen und Flecken: Nach der Sonnenfinsternis suchen einige Menschen mit Beschwerden die Augenkliniken auf. Was die Ärzte dazu sagen und was passiert, wenn Warnungen ignoriert werden.






















