10. Januar 2024 / Aus aller Welt

Schneeleoparden - «Geist der Berge»

Schneeleoparden sind charismatische Tiere und ihr Nachwuchs in Zoos ein stets vielbeachtetes Ereignis. In freier Wildbahn leben nur noch einige Tausend. Der Klimawandel verschlimmert die Lage.

Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gibt es noch rund 4200 bis 6400 Schneeleoparden, die im Hochgebirge Zentralasiens und des Himalayas in Freiheit leben.
Veröffentlicht am 10. Januar 2024 um 06:19 Uhr von Roshan Sedhai und Anne-Sophie Galli, dpa

In Teilen ihrer Heimat werden Schneeleoparden «Geist der Berge» genannt, weil man sie kaum zu Gesicht bekommt. Erst sieben oder acht Mal habe er einen in freier Wildbahn gesehen, sagt der nepalesische Biologe Madhu Chetri - obwohl er die Tiere seit mehr als zwei Jahrzehnten studiert. Die scheuen Einzelgänger mit grauweißem, dunkel gemustertem Fell leben gut getarnt in felsigen, verschneiten Gebirgsregionen Asiens. Forscher nutzen vor allem Haare, Kot und Aufnahmen von Kamerafallen für ihre Analysen.

Die flinken Kletterer haben es schon zum Filmfestival in Cannes geschafft - im Dokumentarfilm «La panthere des neiges» (Der Schneeleopard), in dem der Naturfotograf Vincent Munier und der Schriftsteller Sylvain Tesson geduldig durch eisige Gebirgslandschaften ziehen, um Schneeleoparden zu finden - und diese kaum zu sehen bekommen.

Schneeleoparden stehen auf Roter Liste

Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gibt es noch rund 4200 bis 6400 Schneeleoparden, die im Hochgebirge Zentralasiens und des Himalayas in Freiheit leben. Sie sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als «gefährdet» gelistet. In Nepal, dem Land mit den weltweit höchsten Bergen, nimmt ihr Bestand ab, wie es vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) heißt. Nur noch 350 bis 500 Schneeleoparden gebe es dort.

Zum Verhängnis werden den Tieren unter anderem Konflikte mit Menschen: Häufig überschneiden sich Weideflächen mit den Jagdgebieten der Schneeleoparden, wie es vom Nabu heißt. Angriffe auf Vieh seien die Folge. Die Hirten reagieren demnach häufig, indem sie die Raubkatzen über vergiftetes Fleisch als Köder oder Fallen töten.

Problem für Hirten

In Nepal rissen Schneeleoparden zwischen Mitte 2021 und 2022 mindestens 1193 Nutztiere, vorwiegend Ziegen und Schafe, wie Zahlen der örtlichen Behörde für Wildtiere zeigen. Solche Verluste können für Hirten existenzbedrohend sein. Im vergangenen November etwa wurden 82 Ziegen eines Mannes im Distrikt Mustang gerissen, wie die örtliche Zeitung «Republica» berichtete. Der Schaden habe drei Millionen Rupien betragen - umgerechnet mehr als 20.000 Euro.

Die Klimakrise verstärke das Konfliktpotenzial noch, sagt der Chef des Naturschutzgebiets der nepalesischen Annapurna-Region, Rabin Chaudhary. Schneeleoparden leben oberhalb der Baumgrenze - die sich im Zuge der Erwärmung immer weiter in höhere Lagen, Richtung Gipfel, verschiebt. Der Lebensraum für die Tiere schrumpfe dadurch stark, heißt es vom WWF. Die Schneeleoparden weichen teils in besiedelte Gebiete aus, kommen damit näher zu den Menschen und ihren besonders einfach jagbaren Nutztieren, wie Chaudhary sagt.

Skelett bringt auf Schwarzmarkt viel Geld

Zudem kämen sie so in die Umgebung gewöhnlicher Leoparden und Tiger - und seien deren Krankheiten und einem verstärkten Kampf um Lebensraum und Beute ausgesetzt. Schließlich haben es auch Wilderer auf die Tiere abgesehen, wie die regelmäßige Beschlagnahmung von Körperteilen oder Produkten daraus zeigt. Laut WWF kann ein Pelz auf dem Schwarzmarkt bis zu 500 Dollar einbringen, ein Skelett gar bis zu 10.000 Dollar.

Über Lebensweise, Verhalten und Ernährungsgewohnheiten von Schneeleoparden sei noch immer viel zu wenig bekannt, sagt Wissenschaftler Chetri. Populationsschätzungen basierten oft nur auf Stichprobenanalysen. Genaue Zählungen seien in den abgelegenen Regionen logistisch anspruchsvoll und teuer.

Im Zoo kann man Schneeleoparden auch in Deutschland sehen. In der Wilhelma in Stuttgart etwa kam im vergangenen Jahr ein Jungtier zur Welt - unerwartet für die Pfleger, die bei der 13 Jahre alten Mutter nicht mehr mit Nachwuchs gerechnet hatten. In Freiheit haben Schneeleoparden laut WWF eine Lebenserwartung von bis zu zwölf Jahren.


Bildnachweis: © Madhu Chetri/dpa
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