28. April 2023 / Aus aller Welt

Sri Lanka erwägt Export von 100.000 Affen nach China

Auf Sri Lanka plündern Hutaffen Kokosnuss-Plantagen. Nun denkt das Land darüber nach, die Primaten in enormer Zahl an China abzugeben. Doch es gibt Kritik, denn die Tiere gelten als gefährdet.

Ceylon-Hutaffen spielen auf einem Motorrad in Sri Lanka.
Veröffentlicht am 28. April 2023 um 12:20 Uhr von dpa

Die Regierung des hoch verschuldeten Krisenstaats Sri Lanka erwägt den Export von 100.000 Exemplaren einer bedrohten Affenart nach China. Der von Landwirtschaftsminister Mahinda Amaraweera kürzlich verkündete Plan, die wildlebenden Ceylon-Hutaffen ins Reich der Mitte zu bringen, zieht viel Kritik von Tierschützern auf sich. Der Preis für die Tiere ist bislang nicht bekannt.

Die private chinesische Firma, die die Primaten importieren möchte, will diese eigenen Angaben zufolge für Hunderte chinesische Zoos beschaffen. Die chinesische Botschaft in Sri Lankas Hauptstadt Colombo betont allerdings, dass die chinesische Regierung keine Anträge für einen entsprechenden Tierimport erhalten habe.

Trotzdem erklärte Sri Lankas Landwirtschaftsminister Amaraweera, dass der Export angesichts der großen Schäden durch die Affen in der Landwirtschaft in Betracht gezogen würde. So gebe es etwa Schäden bei Kokosnuss-Plantagen, die dem Land beim Export viel Geld einbringen. Zuletzt hätten aber Affen einen beträchtlichen Teil der Ernte zerstört - unter anderem auch weil Menschen zunehmend in den Lebensraum der Tiere vorrücken.

Affen als bedrohte Art

Gleichzeitig stehen die Affen aber auf der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN. Dies ist ein Status ohne rechtlichen Implikationen, wie eine IUCN-Sprecherin auf Anfrage sagte. Ein Staat dürfe die Tiere demnach exportieren, wenn dies nach Einschätzung einer wissenschaftlichen Behörde des Staates nicht schädlich für das Überleben der Art sei. In Sri Lanka selbst sind die Tiere nicht geschützt, sie kommen in freier Wildbahn nur dort vor.

Tierschützer auf Sri Lanka fürchten nun, dass die 100.000 Affen für Forschungszwecke verwendet werden oder als Nahrungsmittel enden könnten. So rief unter anderem die Sri Lanka’s Wildlife and Nature Protection Society die Regierung auf, auf den Export zu verzichten und stattdessen andere Lösungen zum Einschränken der Affenpopulation zu finden.

Den Inselstaat südlich von Indien mit rund 22 Millionen Einwohnern plagen derzeit große Geldsorgen. Das Land rutschte im Vorjahr in die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und kämpft seither mit Engpässen bei Nahrungsmitteln und Energie, die Lebensmittelpreise stiegen stark. Massenproteste hatten im vergangenen Sommer zur Flucht von Präsident Gotabaya Rajapaksa ins Ausland und zu seinem Rücktritt geführt. Kürzlich hatte sich Sri Lanka zwar ein auf vier Jahre angelegtes Kreditprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) über rund drei Milliarden Dollar gesichert. Das reicht aber nicht aus, um die Krise zu lösen.


Bildnachweis: © M.A.Pushpa Kumara/EPA/dpa
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